„Bild“ – eine Nazi-Zeitung? | Journalistenwatch.com

Von Thomas Böhm

Die Aufregung war wieder mal riesengroß, weil es die AfD doch tatsächlich gewagt hatte, den Begriff „Volksgemeinschaft“ zu verwenden. Selbst das höchste Nachrichtenorgan der Kanzlerin, die „Tagesschau“ schäumte:

Ein besinnliches, friedvolles Weihnachten wünschte die AfD in Sachsen-Anhalt auf ihrer Facebook-Seite – und kombinierte diesen Gruß mit dem Appell, sich Gedanken zu machen „über gemeinsame Werte, Verantwortung für die Volksgemeinschaft“. Auf einen kritischen Hinweis eines Facebook-Nutzers antwortete AfD-Landeschef Andre Poggenburg: Heute sollten „einige völlig unproblematische und sogar äußerst positive Begriffe nicht benutzt werden“. Das lasse man sich nicht gefallen.

Völlig unproblematisch? Der Politikwissenschaftler Samuel Salzborn von der Universität Göttingen erklärt gegenüber tagesschau.de, historisch sei der Begriff der Volksgemeinschaft „eindeutig durch den Nationalsozialismus belegt“. Und selbst wenn man sich auf den Standpunkt historischer Naivität zurückziehen würde, sei der Begriff in einer Demokratie unhaltbar, so der Professor. Die Idee einer Volksgemeinschaft sei generell nicht mit den Vorstellungen von Demokratie vereinbar…

So weit die „Tagesschau“. Aber so ganz ist diese Aufregung nicht nachvollziehbar. Schließlich wurde auch während der Nazizeit deutsch gesprochen, da bleibt es nicht aus, gleiche Wörter zu benutzen. Auch würde keiner würde sich darüber mokieren, wenn ein alter Widerstands-Veteran einen Vortrag über „Mein Kampf gegen Hitler“ halten würde.

Und so betrachtet sind die beiden zusammengesetzten Begriffe „Volk“ und „Gemeinschaft“ im Prinzip harmlos. Vielleicht aber liegt es auch nur am „Bindungsbuchstaben S“. Dann aber hätten andere auch ein Problem mit den politischen Sprachzensoren:

Das Jahr hat gut begonnen für den Autohersteller Seat. Im Januar und Februar verzeichnete die VW-Tochter im Vergleich zum Vorjahr das Dreifache an Aufträgen für ihren Kleinwagen „Ibiza“, meldete Seat Deutschland im März. Dass das Modell urplötzlich so beliebt war, lag nicht etwa daran, dass der schon etwas betagte „Ibiza“ mit exklusiven Extras angeboten oder mit einer besonders flotten Kampagne beworben wurde – sondern vor allem an einer Kooperation mit der „Bild“-Zeitung. Zwei Monate bot Seat das Sondermodell „Ibiza Sport Edition“ als„Volks-Seat“ an. „Bild“ und Bild.T-Online warben kräftig für die Aktion – und erzielten offenbar den erwünschten Erfolg.

Längst nutzt „Bild“ den eigenen Namen nicht mehr nur für Zeitschriften-Ableger wie „Computer-Bild“ oder „Audio-Video-Foto-Bild“. Mit den „Volks“-Produkten will das Boulevardblatt von der Spülmaschine über die Zahnbürste bis hin zur Bettdecke nun auch allerlei Gebrauchsgegenstände verkaufen.

Die produziert „Bild“ natürlich nicht selbst. Die Zeitung, genauer: deren Internet-Ableger Bild.T-Online, kooperiert lediglich mit den Herstellern der Waren, die es in der Regel auch ohne „Volks“-Label längst im Handel zu kaufen gibt. Die Unternehmen profitieren davon, dass „Bild“ ihr „Volks“-Produkt innerhalb kürzester Zeit deutschlandweit bekannt macht. Entsprechend gut verkaufen sich viele der angebotenen Waren.

Ist die „Bild“ etwa doch eine getarnte Nazi-Zeitung, da sie uns den „Volks“-Begriff wieder unterjubeln will, oder kommt es in Deutschland immer nur darauf an, wer etwas sagt?

Lasst uns einfach mal friedlich und gemeinsam auf ein Volksfest gehen und dort eines der schönen deutschen Volkslieder anstimmen:

„Das Wandern ist des Müllers Lust“ – das könnten wir doch auch ganz schnell unseren lieben Zuwanderen beibringen.

Quelle: „Bild“ – eine Nazi-Zeitung? | Journalistenwatch.com

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